Rumänien

Unsere Stationen

Der fröhliche Friedhof

Rumänien hatten wir eigentlich schon für 2020 geplant. Doch dann machte uns Corona einen Strich durch die Rechnung, da unklar war, wie die Situation an den Grenzen zu Österreich und Ungarn sein würde. Im Nachhinein sind wir dafür ganz dankbar, denn so hatten wir deutlich mehr Zeit, um uns das Land in Ruhe anzusehen.

 

Wir sind über Österreich und Ungarn in die rumänische Region Maramureș eingereist. Eine unserer ersten Stationen war der Fröhliche Friedhof.

Der Name „Fröhlicher Friedhof” kommt wohl daher, dass die zahlreichen Holzkreuze nicht nur vom Leben oder Tod der Verstorbenen berichten, sondern teilweise auch recht kuriose Geschichten erzählen. Wir waren viel mit dem Google-Translator unterwegs, um die Geschichten zu verstehen. 

 

Im einfachsten Fall ging es um das Leben der Verstorbenen, wobei das Bild und der Text auf dem Kreuz dies entsprechend darstellten

Bei manchen war auf dem Bild schon klar, dass derjenige irgendwie unter die Räder gekommen ist. Entsprechend dramatisch wurde das beschrieben.

Es gibt aber auch andere kuriose Geschichten, die man mit einem Augenzwinkern betrachten muss. Ein Beispiel:

 

"Unter diesem schweren Kreuz liegt meine arme Schwiegermutter.

Hätte sie drei Tage länger gelebt, läge ich hier und sie würde diesen Vers lesen.

Ihr, die ihr hier entlanggeht, versucht, sie nicht wieder aufzuwecken, denn wenn sie nach Hause kommt, fährt sie mir gleich wieder über den Mund."

 

Andere Geschichten handeln von Alkohol oder Drogen, die irgendwann zum Tod geführt haben.

 

"Der Schnaps ist eine Schlange, die uns Mühsal und Trauer bringt.
Wer dem Schnaps zugeneigt ist, dem wird es so ergehen wie mir."

 

Oder mit etwas mehr Humor:

 

"Ich fülle euch das Bierglas schön
und sage euch auf Wiedersehn!“

 

Der Totenkult in Rumänien ist grundsätzlich stark von der orthodoxen Kirche geprägt und verbindet tiefe Trauer mit lebensbejahenden Ritualen, was man hier hautnah erleben kann. Der Tod wird nicht als rein trauriges Ereignis betrachtet, sondern als natürlicher Teil des Lebens.

 

Der Friedhof scheint schon lange kein Geheimtipp mehr zu sein, denn es gibt etliche Souvenir- und Streetfoodläden sowie Restaurants in der Umgebung, die davon profitieren. Den Friedhof selbst kann man nur gegen eine Eintrittsgebühr von ca. 2 € besuchen.

Das hat aber auch seine Vorteile: So konnten wir hier eine köstliche gebackene Forelle mit Knoblauchsauce genießen, bei der sich Dracula im Grab umgedreht hätte. Außerdem haben wir den traditionellen Baumstriezel (Kürtőskalács) probiert. Er besteht aus einem feinen, süßen Hefeteig, der spiralförmig um eine dicke Holzrolle gewickelt wird.  Anschließend wird die Rolle über der offenen Glut eines Holzkohlegrills oder Feuers gedreht. Während des Grillens karamellisiert die äußere Zuckerschicht und wird herrlich knusprig. Zum Schluss wird der heiße Kuchen in Toppings wie Zimt-Zucker, gemahlenen Walnüssen, Kakao oder Kokosraspeln gewälzt.

Auch dies ist wohl eine reine Touristenattraktion, die wir uns aber gegönnt haben, da das Wetter sehr verregnet war. Da kann man sich ruhig einmal mit einer Dampflok durch die Gegend schaukeln lassen. Für Eisenbahnfans ist das sicher ein Highlight.

 

Die Mocănița Maramureș ist die letzte regulär aktive dampfbetriebene Waldbahn Europas. Sie schlängelt sich durch das spektakuläre und unberührte Vasertal in den Karpaten bis dicht an die ukrainische Grenze. Dabei transportiert sie nicht nur Touristen, sondern auch tatsächlich noch Holz aus den Wäldern zu entsprechenden Abladestellen. Für die industrielle Nutzung werden allerdings mittlerweile Dieselloks eingesetzt, während die Dampfloks die Touristen befördern.

Mocănița Maramureș

Die gesamte Tour dauerte etwa fünf Stunden. Auf halber Strecke wurde eine kurze Pause eingelegt und am Ziel gab es eine angeblich typische Grillplatte. Der ganze Spaß hat uns beide inklusive der Grillplatte, eines Käsesandwiches und eines Kaffees bei Fahrtantritt etwa 75,-€ Euro gekostet.

Hier scheint die Zeit wirklich stehen geblieben zu sein. Es gibt nur eine kleine asphaltierte Straße, die nach Brep führt. Alle anderen „Straßen” in Brep ähneln eher einem Flussbett als einem geschotterten Feldweg. Es gibt sogar ausgeschilderte Fahrradwege, die aber eher für gutes Schuhwerk geeignet sind.

 

Es gibt richtig alte Blockhäuser, aber auch ein paar recht neue Bauten. Kein Hof kommt hier ohne Hühner aus.

 

Interessanterweise gibt es hier sehr viele Möglichkeiten, Essen zu gehen oder eine Unterkunft zu buchen. „Essen gehen“ ist hier allerdings auch etwas Besonderes. Zwar gibt es viele Restaurants oder Höfe, die Essen anbieten, jedoch sollte man hier keine große Speisenkarte erwarten. Es gibt: Vorspeise (meist Suppe), Hauptgericht und Nachtisch. Man kann alles einzeln oder als „volles Menü“ bestellen. Als Beilagen gibt es meist Polenta und eventuell noch eingelegte Gurken. Grünen Salat haben wir bisher nicht bekommen. Trotz allem ist es einfach, aber lecker! Und es gibt immer Schnaps (Pálinka) dazu, und die Leute sind sehr herzlich!

 

Dieser Nachtisch sieht zwar aus wie Blutwurst, ist aber ein sehr leckerer Schokokuchen mit Keksen.

Brep

In Brep gibt es auch eine alte Holzkirche, die zu unserem Glück gerade ihr 400-jähriges Bestehen feierte. Anlässlich dieses Ereignisses kamen zahlreiche Volkstanzgruppen, Musiker und Chöre aus dem ganzen Land zusammen, um ihr Können und ihre Trachten zu präsentieren. Auch die Menschen aus dem Ort kamen in Tracht, sodass es ein festliches, schönes und lustiges Fest wurde.

Der Campingplatz Babou Mures war genau das Richtige für uns, um abzuschalten. Der Betreiber ist Ire, spricht Deutsch und braut sein eigenes Bier. Außerdem kann man bei ihm jeden Morgen selbst gebackenes Sauerteigbrot kaufen. 

 

Hier konnten wir mal wieder richtig abschalten.

In einigen Höfen stehen Bäume, an denen Töpfe aufgehängt werden. Je mehr Töpfe dort hängen, desto höher wird die Mitgift ausfallen. Ob es etwas zu holen gibt, also ob sich im Haus eine heiratsfähige Frau befindet, kann man an einem roten Topf an der Spitze des Baumes erkennen. Ute hat mir allerdings ganz klar gemacht, dass es für mich hier sowieso nichts zu holen gibt!

Sighișoara ist eine kleine Stadt in Siebenbürgen (=Transsilvanien!), deren wunderschöne, belebte und bis heute bewohnte mittelalterliche Altstadt uns begeistert hat. Besonders abends hat uns die Atmosphäre der beleuchteten Gebäude und Restaurants am späten Abend fasziniert. 

 

Sehenswert sind auf jeden Fall der Stundenturm, der die OESZ offenbar noch nicht begriffen hat, und die lange überdachte Treppe mit ca. 180 Stufen, die gebaut wurde, damit die Schüler trocken zum Unterricht kommen.

Sighișoara (Schäßburg)

Unsere nächste Station war Deutsch Weißkirch. Dort haben wir uns die evangelische Kirchenburg angesehen, in der bis heute deutsche Gottesdienste stattfinden.

 

Die Kirchenburg ist eine von den Siebenbürger Sachsen erbaute Wehrkirche in Rumänien. Sie gehört zum UNESCO-Welterbe und ist bekannt für ihren mittelalterlichen Wehrturm, die Vorratsspeicher und die gut erhaltene Ringmauer. Sie wurde zu einer Zeit erbaut, als das Gebiet zum Königreich Ungarn (1000–1301) gehörte.

 

Neben dem Wehrturm befindet sich der sogenannte „Speckturm“, der als kühler Vorratsraum für den Speck der Dorfbewohner diente. Jede Familie hatte ihr eigenes Abteil, und die individuelle Wochenration wurde sonntags unter strenger Aufsicht ausgegeben. Der Speck war mit der entsprechenden Hausnummer versehen, um Verwechslungen auszuschließen. Da es in Viscri keine Straßennamen gibt, war die Hausnummer eindeutig genug

Viscri (Deutsch Weißkirch)

Wir haben uns auch das Haus von König Charles in Viscri angesehen. Er unterstützt den Erhalt des Dorfes u.a. durch eine Stiftung. Das hat natürlich den Tourismus gefördert, bringt aber auch Probleme mit sich. So sind die Immobilienpreise hier stark gestiegen und aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens können die Enten und Hühner nicht mehr so einfach auf den Dorfstraßen wandeln. Ich denke, das hat man mittlerweile besser im Griff, denn am Ortsrand gibt es einen großen Parkplatz für Besucher und nur noch Anwohner dürfen mit ihrem Auto in das Dorf fahren.

 

Der Besuch des Hauses war für uns sehr lehrreich. So haben wir beispielsweise erfahren, dass es in Rumänien etwa 400 Schmetterlingsarten gibt, in England hingegen nur etwa 40.

 

Auch die Schlafsituation im Haus hat uns beeindruckt. In einem Stockbett, das ausschaut wie eine große Kommode, haben 3 Generationen übernachtet. In der oberen Etage haben die jungen Eltern geschlafen. In der Schublade darunter haben die Kinder und in der untersten Schublade die Großeltern gelegen. Ich habe mich kurz gefragt, ob die Sprichwörter „jemanden in eine Schublade stecken“ und „das ist unterste Schublade“ daher kommen. Dem scheint aber nicht so zu sein.

 

Außerdem haben wir gelernt, und das ist der Knaller: König Charles stammt von Graf Dracula ab! Irgendwie haben wir das ja schon geahnt!

Gegen 20:15 Uhr wurde es abends auf der Hauptstraße noch einmal richtig interessant. Alle Kühe kamen mehr oder weniger selbstständig von ihren Weiden zurück und wussten genau, zu welchem Hof sie gehörten. 

 

Insider nennen das die „Kuhparade“. Das war wirklich spektakulär mitanzusehen.

?!?!?

Transfăgărășan

Die Transfăgărășan ist eine Passstraße, die sich durch das Făgăraș-Gebirge in den Transsilvanischen Alpen bis auf 2.042 Meter Höhe schlängelt. Der Pass ist nur vier Monate im Jahr befahrbar (Juli–Oktober). In der Zeit vom 1. November bis 30. Juni ist die Straße beim Bâlea-Pass unpassierbar.

 

Wir haben den Pass von Norden her befahren und haben oben einen beeindruckenden Blick auf die zahlreichen Kurven genossen. Dieser Anblick erinnert ein bisschen an die Kurven des Stilfser Jochs, das allerdings noch höher gelegen ist. Obwohl sich der Verkehr auf der Straße in Grenzen hielt, war der Parkplatz oben auf dem Pass sehr voll. Wir hatten Glück und haben gleich einen Platz für unseren VanTI gefunden.

Neben zahlreichen Fressbuden und Souvenirläden konnte man sich hier auch mit einem ausgestopften Bären fotografieren lassen. Es ging zu wie auf einem Jahrmarkt.

 

Nach einer kurzen Verschnauf- und Fotopause ging es entlang des Bâlea-Sees zurück zum Auto. Durch den Bâlea-Tunnel, den höchstgelegenen Tunnel Rumäniens, fuhren wir auf der Südseite wieder abwärts. Nachdem wir das steilste Stück hinter uns hatten, ging die Warnlampe für überhitzte Bremsen an. Wir legten einen Zwischenstopp mit Übernachtung ein und bewältigten den Rest der Strecke am nächsten Tag.

 

Aufgrund der zahlreichen Kurven und des teilweise sehr schlechten Asphalts haben wir für die restlichen 50 Kilometer etwa eineinhalb Stunden gebraucht. Dass dieser Pass von Motorradfahrern geliebt wird, ist mir jetzt klar.

Das größte Geschenk auf der Talfahrt waren für uns die zahlreichen Bärensichtungen. Ein großer Einzelbär und mindestens zwei Mütter mit ihren Jungen liefen direkt am rechten Straßenrand entlang und ließen sich seelenruhig fotografieren. Okay, Ute war dabei eher mulmig zumute, denn die Bären liefen direkt neben ihr am Auto entlang. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, das allerdings dazu geführt hat, dass wir ausgiebige Wanderungen in diesem Gebiet dann doch lieber unterlassen haben.

 

Die Bären an der Transfăgărășan werden übrigens Bettelbären genannt, weil sie die vorbeifahrenden Touristen um Essen anbetteln. Das Füttern der Bären sowie das Anhalten, um Fotos zu machen, ist strengstens verboten. Rumänien beherbergt aktuell die größte Population wilder Braunbären in der Europäischen Union. Schätzungen zufolge leben dort zwischen 10.000 und 13.000 Tiere, vor allem in den dichten Wäldern der Karpaten. Das ist fast die Hälfte aller in Europa lebenden Braunbären. Laut Experten wären ökologisch verträglich jedoch nur etwa 4.000 Bären!

Bei der Talfahrt überquert man noch die sechs Meter breite und 307 Meter lange Talsperre des Vidraru-Stausees. Die Talsperre wird von Prometheus mit einem riesigen Blitz in den Händen bewacht. Prometheus hat den Menschen ursprünglich das Feuer gebracht, hier steht der Blitz jedoch für die Elektrizität, die mit dem Stausee gewonnen wird.

Normalerweise schreiben wir ja nichts oder nur wenig über Campingplätze. Dieser hat es uns jedoch besonders angetan. Der Betreiber André hat bereits in Deutschland und der Schweiz gearbeitet und es war immer sein Traum, einen Campingplatz in seiner Heimat zu betreiben. Alles hat auf einem großen Gartenstück mit ein paar Freunden begonnen. Im Sommer haben sie sich hier fast jeden Tag getroffen und sind nur zum Schlafen nach Hause gegangen. Am Lagerfeuer hat man sich Geschichten erzählt, und je mehr der Platz zu einem Campingplatz wurde, desto mehr Geschichten brachten die Reisenden mit. So kam schließlich der Name „The Story Garden“ zustande.

André hat uns mit seiner Gulaschsuppe vom offenen Feuer fürstlich bekocht. Auch die frische Forelle vom Grill am nächsten Tag war sehr lecker.

 

Der Platz liegt nicht auf einer Touristenroute und ist daher ein echtes Kleinod, an dem man sich wohlfühlen kann.

Camping „The Story Garden“

Auch hier haben wir wieder ganz deutlich gespürt, dass Reisen nicht das Abhaken von Sehenswürdigkeiten ist, sondern vor allem von den Geschichten der Menschen lebt, denen wir unterwegs begegnen. Sei es das junge Paar, das mit seiner kleinen Tochter die Elternzeit in Afrika verbracht hat, die beiden Slowenen mit ihrer kleinen Dackelhündin Flory oder die Familie aus den Niederlanden, deren achtjährige Tochter schon perfekt Englisch konnte und schneller Freunde auf einem neuen Campingplatz gefunden hat, als die Eltern wussten, wo sich die Toiletten befinden. Aber auch Axel, den wir auf einem früheren Stellplatz getroffen haben und der mit seinem fast 40 Jahre alten Feuerwehrauto unterwegs war, hat mit seinen Geschichten aus Afrika unser Leben bereichert. Gerade diese Begegnungen sind ein großes und unbezahlbares Geschenk auf unseren Reisen!

Schloss Bran ähnelt in gewisser Weise dem fiktiven Schloss des Grafen Dracula aus dem gleichnamigen Roman von Bram Stoker und wird deshalb auch als „Draculaschloss“ beworben.

 

Dracula hat hier aber nichts mit dem fiktiven Vampir Dracula zu tun, sondern bedeutet lediglich „Sohn des Dracul”. Dracul, sein Vater (Vlad II. oder Vlad der Drache), erhielt seinen Namen, da er dem Drachenorden angehörte. So bekam Vlad III. den Beinamen Dracula. Weil er viele seiner Gefangenen aufspießte, wurde er später Vlad III., der Pfähler, genannt.

 

Keiner dieser beiden Herren hat jedoch jemals in diesem Schloss gewohnt. Nur Vlad III. wurde hier kurzzeitig gefangen gehalten.

Zu den berühmtesten dauerhaften Bewohnern zählten Königin Maria von Rumänien und ihr Ehemann, König Ferdinand I., doch das ist eine andere Geschichte.

 

Eigentlich haben wir uns das Schloss nur angesehen, weil es auf unserem Weg nach Brașov lag. Es ist wirklich unglaublich, welche Menschenmassen dieses Schloss mit seiner erfundenen Geschichte anzieht und welches Geschäft sich daraus entwickeln kann.

Schloss Bran (Schloss Trötzburg)

Nun folgt ein eher trauriger Teil unseres Reiseberichts. Die Bärenauffangstation von Zarnesti hat uns einerseits bedrückt, andererseits aber auch beeindruckt. Einerseits, weil uns vor Augen geführt wurde, was Menschen mit wilden Tieren anstellen und wie sie ihnen den Willen brechen.

 

Da ist zum Beispiel Odi, der zwölf Jahre lang in einem zwei mal drei Meter kleinen Käfig leben musste und sich ausschließlich von Mais ernähren durfte. Der Boden bestand ebenfalls aus Gittern, die im Sommer heiß wurden und seine Füße verletzten.

 

Dann war da Max, der schon als junger Bär erblindet war und von Touristen als Fotoobjekt genutzt wurde. Dafür wurden ihm die Zähne gezogen und die Krallen geschnitten. Er wurde mit Pfefferspray misshandelt und mit Bier und Tabletten ruhiggestellt.

 

Obwohl viele dieser Bären gerettet wurden, brauchen sie Jahre, um sich an ein normales Leben zu gewöhnen. Hier gibt man ihnen die nötige Zeit, um ihnen eine zweite Chance zu geben und sie irgendwann auszuwildern. Das kann jedoch Jahre dauern und viele schaffen es nicht.

 

Den 129 Bären steht hier eine Fläche von etwa 69 Hektar zur Verfügung. Sie erhalten täglich 2,5 Tonnen Futter und werden bei Bedarf gesundheitlich behandelt. Trotzdem zeigen manche nach Jahren noch Verhaltensweisen wie das Käfig-Syndrom (sie laufen am Gitter nur hin und her) oder sie springen auf und drehen Pirouetten, wenn Menschen vorbeikommen. Bären, die freigelassen wurden, rennen zunächst glücklich in den Wald, drehen sich dann aber um, weil sie gar nichts mit ihrer Freiheit anzufangen wissen.

 

Liberarty Bear Sanctuary Zarnesti

Eines ist klar: Diese Auffangstation, die komplett ohne staatliche Unterstützung auskommen muss, möchte keine Bären züchten (weshalb alle männlichen Bären kastriert werden). Sie holt Bären aus nicht artgerechten Situationen (Zirkus, private Haltungen, kommerzielle Haltungen usw.) heraus und versucht, ihnen in einer artgerechten Umgebung eine zweite Chance zu ermöglichen. Dabei kommen die Bären nicht nur aus Rumänien, sondern aus vielen anderen Ländern, in denen Bären nicht artgerecht gehalten werden. Der Zaun dient weniger dazu, die Bären einzusperren, sondern vor allem dazu, zu verhindern, dass freie Bären-Männer von außen eindringen. Für sie ist das quasi das Schlaraffenland mit vielen jungen Bärinnen auf kleinem Raum. Ich hatte das Gefühl, dass der Zaun die Bären auch vor den Touristen schützen soll.

 

Wir waren jedenfalls sehr beeindruckt von dem, was Cristina Lapis, die Gründerin des Vereins „Million Friends“, initiiert hat, um Bären aus nicht artgerechter Haltung zu retten, und von dem, was daraus mittlerweile geworden ist. Auch wenn es in Rumänien eine Überpopulation von Bären gibt, die zum Großteil menschengemacht ist, kann es nicht sein, dass Bären vor Brotfabriken in engen Käfigen zur Schau gestellt werden oder in „Pailletten-Unterhosen“ auf kleinen Podesten Pirouetten drehen. Gut, dass es diese Station gibt, die den Bären eine zweite Chance gibt – sofern das noch möglich ist. Auch wenn eine Auswilderung nicht möglich ist, so haben sie hier noch ein schönes Leben.

Das war wieder ein besonderes „Boa-Ey“-Erlebnis. Morgens um 9:15 Uhr fuhren wir mit einem kleinen Bus in die Salzmine. Wie in einem Parkhaus ging es in einer Wendel etwa 15 Stockwerke bis auf 208 Meter in die Tiefe. Durch einen kurzen, unscheinbaren Tunnel gelangt man in die Mine, wo sich plötzlich ein gigantischer Raum eröffnet. Die Deckenhöhe beträgt 54 m und die Gänge sind richtig breit. In die Halle passt locker der Kölner Dom! Daher ist sie eine der größten und schönsten Salzminen Europas. Es sah fast so aus, als hätten Außerirdische sie gebaut.

 

Die Temperatur liegt das ganze Jahr über bei 12–13 °C, die Luftfeuchtigkeit bei 50–60 %. Es gibt deutlich weniger Staub, Pollen und Bakterien, dafür winzige NaCl-Teilchen. Die Luft ist quasi eine Salz-Inhalation. Ärzte schicken Menschen mit Asthma, Bronchitis, Allergien oder auch Haut- oder Schlafproblemen hierher.

 

Warum es hier unten auch ein 9D-Kino gibt, bleibt uns ein Rätsel.

Salzmine von Slanic

Auch das ist ein äußerst interessantes Naturschauspiel! 

 

Aus zahlreichen kleinen und größeren Schloten blubbert es, und grauer Schlamm dringt an die Oberfläche. Erdgas und Salzwasser werden aus tieferen Schichten nach oben gedrückt. Das Gas (meist Methan) löst den Schlamm auf und drückt ihn durch Risse und Spalten an die Oberfläche. Da der Schlamm aus Ton, Salz und Sand besteht, trocknet er und es entstehen diese Vulkankegel.

 

Es gibt allerdings auch Vulkane, die keine Kegel ausbilden, sondern eher flach bleiben.

Schlammvulkane von Berca

Die Warnschilder weisen eindeutig darauf hin, dass es nicht ratsam ist, den Schlamm (es handelt sich nicht um Heilschlamm!) zu berühren oder hineinzuspringen. Auch offenes Feuer ist hier nicht empfehlenswert.

 

Keine Ahnung, wer auf solche Ideen kommt!

Davon gibt es zwar einige (nicht nur in Rumänien), aber es ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Wir waren bei den lebenden Feuern von Andreiasu de Jos, da sie auf unserer Route lagen. Es soll auch einige bei Terca (in der Nähe der Schlammvulkane) geben, die aber wohl schwerer zu finden sind.

 

Die Feuer brennen schon seit Ewigkeiten und wenn sie durch Starkregen ausgehen, entzünden sie sich von selbst wieder. Geologisch hängt das eng mit den Schlammvulkanen zusammen, da auch hier austretendes Erdgas eine Rolle spielt.

 

Focul Viu (Das lebende Feuer)

Andreasu de Jos ist wirklich ein sehr kleiner Ort. Ich bin mir sicher, dass dieses Feuer ein genialer Treffpunkt für die Einwohner ist – besonders abends –, und das sowohl im Sommer als auch im Winter.

Um 4:30 Uhr ging der Wecker 😩 und um 5:15 Uhr wurden wir zur vierstündigen Bootsfahrt durch das Donaudelta abgeholt. Das frühe Aufstehen ist ja nicht so unser Ding, aber hier hat es sich absolut gelohnt, denn wir waren praktisch allein unterwegs und konnten den tollen Sonnenaufgang genießen.

 

Ovidiu von Camping Delta in Murighiol hat uns super durch die tolle Wasserlandschaft gefahren, uns allerlei Vögel (Kormorane, Pelikane, Eisvögel, Bee-Eater, Ibisse usw.) gezeigt und uns Wasserkastanien probieren lassen. Lecker!

 

Auf dieser Tour hätte ich mir einen richtigen Fotoapparat mit Mega-Zoom gewünscht!

 

Da der Wasserstand der Donau sinkt, sich das Gewässer erwärmt und der Fischbestand dadurch zurückgeht, geben immer mehr Fischer ihren Beruf auf und wechseln in andere Jobs (wenn möglich).

 

Die Donau ist mit fast 3.000 Kilometern der zweitlängste Fluss Europas (nach der Wolga). Insgesamt durchquert sie zehn Länder: Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Moldau und die Ukraine. Sie fließt als einziger größerer Strom Europas von Westen nach Osten. Die Donau entspringt in Deutschland (Donaueschingen) und mündet in Rumänien im schwarzen Meer, welches unser nächstes Ziel war.

Das Donau Delta

Jetzt stehen noch ein paar Tage Entspannung am Strand auf dem Programm. An der Schwarzmeerküste gibt es viele lange Strände mit mehr oder weniger Infrastruktur. Da wir nichts außer uns selbst benötigen, haben wir einen der Strände weiter im Norden bei Vadu (etwas nördlich von Constanța) angesteuert. Die letzten drei Kilometer der Fahrt waren etwas abenteuerlich, aber auch mit unserem VanTI machbar. Beim Einparken mussten wir dann doch die Schaufel und die Sandbleche benutzen. Allerdings hatte ich vorher auch den Reifendruck nicht verringert, sodass das Risiko ohnehin groß war, im Sand stecken zu bleiben. Der Wetterbericht hatte für die nächsten Tage nur Sonne angesagt, sonst wären wir hier nicht reingefahren. Bei Regen wäre das unmöglich gewesen.

Schwarzmeerküste

Nach vier traumhaften Tagen an diesem schönen Ort sind wir dann doch weitergefahren. Zum einen haben wir uns trotz Schatten gehörig den Frack verbrannt, zum anderen kamen ein paar Wolken auf und wir hatten Angst, hier wieder wegzukommen. Bei Regen wäre das schier unmöglich gewesen, selbst bei Trockenheit bedurfte es zwei Anläufe und einiger netter Helfer! Toll, was alles mit so einem WoMo geht!

 

(Die komplette "Ausfahrt" hat übrigens ca. 30 Minuten gedauert!)

Am Strand selbst ist man in der Hauptsaison nicht allein. Die Camper verteilen sich in einer Reihe entlang des Strandes, sodass man vom Meer nur durch eine kleine Düne getrennt ist. Es ist aber alles sehr ruhig und wir fühlen uns in keiner Weise bedrängt oder eingeengt. Die Camper sind vorwiegend Einheimische, die ihre Natur sauber zu halten scheinen. Selbst hinter uns in den Dünen findet man keinen Müll oder „Busch-Toiletten“, da jeder seinen Müll mitnimmt und ein eigenes Toilettenzelt hinter dem Zelt oder Wohnwagen hat.

Die Transalpina ist neben der Transfăgărășan wohl die bekannteste Passstraße Rumäniens. Dieser Pass hat uns sehr überrascht, denn es ging immer auf kurvenreichen Straßen durch schöne Wälder und man hatte nie das Gefühl, auf einer Passstraße unterwegs zu sein. Nach etwas Internetrecherche verstehen wir auch, warum: Wir sind falsch gefahren 😩! Das heißt, wir haben nur den nördlichen Teil der Transalpina (ab Obarsia Lotrului) gefahren. Auf dem südlichen Teil befindet sich der Urdele-Pass mit 2 145 m, der ihn zum höchsten asphaltierten Pass des Landes macht. So ein Mist, jetzt müssen wir da noch mal hin 😂.

Transalpina

Es gibt Schlimmeres, denn auch der Teil, den wir gefahren sind, war wunderschön, und wir können verstehen, warum er ein Eldorado für Motorrad- und Porschefahrer ist. Er ist deutlich weniger frequentiert und bietet ca. 120 km reines Kurvenvergnügen bei gutem Asphalt. Bären sieht man hier allerdings keine – wen wundert's 🤷🏼‍♂️.

… ist schnell erzählt. Wir wollten uns zwar noch einige Punkte in Rumänien ansehen, zum Beispiel das ewige Eis im Apuseni-Gebirge in der Scărişoara-Höhle, aber bei einer Außentemperatur von mittlerweile über 44 °C war es nur noch bei eingeschalteter Klimaanlage im Auto auszuhalten. 

 

Daher legten wir ein paar Fahrtage ein und fuhren zum Balaton nach Ungarn. Dort haben wir uns noch ein bisschen erholt, den Rumänien-Trip Revue passieren lassen und uns für den Rest der Heimfahrt gestärkt.

 

Der Rest der Reise

Kurz gesagt: Rumänien ist auf jeden Fall eine Reise wert. Wir haben uns immer sehr wohl und sicher gefühlt und sind froh, dass wir uns mehr Zeit genommen haben als ursprünglich für das Jahr 2020 geplant war.

 

Fazit

Geld

Die Währung in Rumänien heißt Lei (Einzahl: Leu). Das internationale Währungssymbol ist RON. Es ist also quasi das, was $ für den Dollar oder € für den Euro ist.

 

Die Umrechnung ist recht einfach: 100 Lei = 20 Euro (Stand 2026). Fast überall kann man mit Karte bezahlen, aber oft wird Bargeld bevorzugt. Daher ist es auf jeden Fall gut, ein paar Lei dabei zu haben.

Einkaufen

Es gibt große Supermärkte wie Lidl, Penny und Kaufland, wie man sie auch in Deutschland kennt. Obst und Gemüse sollte man am besten direkt am Straßenrand oder auf regionalen regionalen Bauernmärkten kaufen. Das ist sehr günstig und das Angebot ist immer frisch.

Land, Leute und Sprache

Wir haben nur sehr nette und hilfsbereite Rumänen kennengelernt. Wenn wir uns mal mit einem „Mulțumesc” (Danke) oder „Noroc” (Prost) bedanken konnten, waren die Rumänen immer stolz, ihr Deutsch zu präsentieren. Unser Eindruck ist, dass die meisten Rumänen schon einmal in Deutschland gearbeitet haben oder es noch tun. Es wird davon ausgegangen, dass es knapp 19 Millionen Rumänen gibt, von denen etwa 6 Millionen im Ausland leben. Damit hat Rumänien die größte Diaspora (Verstreutheit) weltweit.

Das Land ist wunderschön. Besonders der Norden mit der Maramureș und Transsilvanien haben uns begeistert. In vielen Ortschaften scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, was eine extrem entschleunigte Atmosphäre schafft. Fast jeder hat Hühner um das Haus und in den kleinen Hinterhofrestaurants ist man immer willkommen. 

 

Der traditionelle Pálinka (meist selbst gebrannt) ist ein hochprozentiger Schnaps aus regionalen Früchten. Er wird auch auf Campingplätzen fast immer als Willkommensgruß serviert. Wenn man Glück hat, bekommt man einen Pálinka „für die guten Freunde“, der stark an Obstler erinnert. Wenn man Pech hat und der Brenner mehr auf Prozente steht, schmeckt er wie Pinselreiniger, bei dem sogar die Borsten des Pinsels ausfallen würden. Das ist nicht böse gemeint, sondern reine Geschmacksache.

Sehenswürdigkeiten

Das Land hat hier einiges zu bieten! Wir haben zwar nicht alle geplanten Punkte erreicht, aber das war auch nicht unser Ziel. Wir wollten entspannt reisen und haben zwischendurch immer wieder die Seele baumeln lassen. Ein paar Tage am Strand sind schließlich auch nicht zu verachten. Einige Punkte sind allerdings ausgefallen, z. B. der „Seven Sisters Canyon“ aufgrund des Wetters oder Schloss Peles, weil es zu überlaufen war.

 

Das, was wir allerdings gesehen haben, hat uns sehr beeindruckt. Natürlich werden die großen Touristenmagnete (wie zum Beispiel Schloss Bran) extrem ausgeschlachtet, aber es gibt auch viele andere wertvolle Schätze (wie beispielsweise die Salzmine von Slanic), die uns absolut umgehauen haben.

Verkehr und Straßen

Bei den Straßenzuständen ist alles dabei. Von Autobahnen bis hin zur Kategorie 6 (siehe Norwegen Kapitel „Straßen“). Am Anfang haben wir uns noch gewundert, warum das Navi für 50 km eine Fahrzeit von 1:30 h berechnet hat. Hinterher wussten wir warum. Teilweise war Tempo 30 schon grenzwertig und ein paar Mal hat es uns einen Regalboden aus dem Schrank gehebelt. 

 

Es gibt allerdings auch Autobahnen, vorwiegend um die großen Städte herum, was auch Sinn macht, da etwa 55 % aller Rumänen in diesen Städten leben. Tückisch sind die vermeintlich guten Landstraßen, die manchmal Bodenwellen haben, bei denen sich die ganze Fuhre aufschaukelt, als würde man Wellenreiten.

Camping und „frei stehen“, Ver- und Ensorgung

Grundsätzlich ist es in Rumänien erlaubt, frei zu stehen. Das heißt, man kann irgendwo auf einem Parkplatz oder einem sonst netten Platz übernachten, sofern die üblichen „Frei-Steh-Regeln“ eingehalten werden. Das haben wir während unserer Reise durch Rumänien auch zum größten Teil genutzt. Allerdings sind die Preise auf Campingplätzen sehr niedrig. In der Regel haben wir für unser Wohnmobil mit zwei Personen zwischen 12 und 24 € bezahlt. Wenn man mal wieder Wasser auffüllen, Wäsche waschen oder andere Annehmlichkeiten nutzen möchte, ist das wirklich zu empfehlen. 

Die Entsorgung ist für uns aufgrund der Trockentrenntoilette sowieso kein Problem. Der Urin kann in jedes Klo geschüttet werden, die Feststoffe werden alle zwei Wochen in der schwarzen Tonne entsorgt. Für das Grauwasser gibt es kaum gesonderte Stellen, daher haben wir meist einen Gulli o. Ä. genutzt.

Sonstiges

Es ist immer wieder erstaunlich, was man mit so einer „weißen Ware“ wie unserem VanTI alles machen kann. Im Nachhinein frage ich mich bei manchen Strecken sogar, ob ich eigentlich verrückt war, da reinzufahren. Ich hätte wohl besser auf Ute hören sollen, die verspannt neben mir saß und sagte: „Hör auf, da kommst du nie wieder raus.“ Okay, rausgekommen bin ich, aber unsere Trittstufe ist auf der Strecke geblieben. Ute hat es gelassen genommen und gesagt: „Ist ja nur Material.“ Recht hat sie.

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