Projekt Balu
Die Story
Januar 2026:
(ein Pete Projekt beginnt)
Kein Mensch braucht ein zweites Wohnmobil, aber...
Den Namen des Fahrzeugs habe ich von der Vorbesitzerin übernommen. Aber irgendwie passt er auch: Entweder man verbindet ihn mit Balu dem Bären aus dem Dschungelbuch wegen des Lieds „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“, weil er einfach entschleunigt, oder wegen der Farbe Blau: „Blue Balu“.
Egal, ich war schon Feuer und Flamme, als er ins Gespräch kam, ohne ihn gesehen zu haben. Die zwei Wochen bis zur ersten Besichtigung waren lang. In dieser Zeit habe ich das gesamte Internet nach Informationen über T4-Busse durchstöbert. Zwischendurch hatte ich die Hosen voll, denn die Dinger rosten einem unter dem Arsch weg.
Erste Besichtigung: Mega! Es war kein Rost zu finden, auch nicht an den berüchtigten „Kompostern“ (Kotflügel, die voller Modder und daher meist durchgerostet sind). Auch die Schweller, die Scheiben, die Schiebetür und andere kritische Punkte waren noch top. Klar hat er auch ein paar Macken (besonders beim Lack), aber es auch ein 24 Jahre altes Auto.
Zum Fahrzeug selbst: Es ist ein T4-Transporter mit kurzem Radstand, langem Vorbau, Rundum-Fenster, Hecktüren, Klimaanlage und Standheizung. Insgesamt hat er 5 Sitzplätze, wobei die Rückbank in einen 2er Sitz und einen Einzelsitz unterteilt ist, die man ohne Werkzeug schnell ausbauen kann. Außerdem sind ein paar Vorhänge und ein ausziehbares Bett dabei. Genau das, was ich brauche, ohne je danach gesucht zu haben.
Wir waren uns sofort einig, und bei Linda (der Name ist frei erfunden) hat das Kinn gezittert, als ich das Fahrzeug gleich mitgenommen habe.
Am darauffolgenden Montag bin ich gleich zum TÜV gefahren und er ist ohne Mängel durchgekommen. Ein 24 Jahre altes Auto! Respekt und gute Pflege von der Vorbesitzerin!
Zu Hause angekommen, begann ich mit der Planung. Diese reichte von notwendigen Dingen wie einer neuen Anlasserbatterie über einen kompletten Innenausbau bis hin zu schwarzen 19-Zoll-Alufelgen, Spurverbreiterung und Kuhfänger. Aber „Ho, Brauner“! Etwas zu priorisieren und dabei das Budget im Auge zu behalten, war damals mein Job, und so gehe ich das Ganze „agil“ an. Zunächst das Wichtigste (Batterie und Bremsen) und dann kleine Schritte beim Ausbau. Ich möchte den Balu nicht „verbasteln“ und keine festen Einbauten vornehmen. Alles soll mit wenigen Handgriffen rückbaubar sein, sodass er auch weiterhin als Transporter nutzbar ist.
Das wichtigste zuerst
März 2026:
Okay, die Starterbatterie hat mich bei der aktuellen Kälte im Stich gelassen und musste ausgetauscht werden. Der TÜV hat mich auf die Bremsen hinten hingewiesen, ohne sie als Mangel zu vermerken. Auch die wurden also erneuert, denn damit sollte man nicht spaßen.
Der erste richtige Spaß ging dann mit den getönten Scheiben weiter. Ja, man muss das nicht machen, aber es sieht geil aus und ich erspare mir damit die Vorhänge. Ich finde, es ist cool geworden und man kann wirklich nicht reingucken, selbst wenn man direkt am Fenster steht.
Aufräumen
März 2026:
Als Nächstes habe ich den kompletten hinteren Raum ausgeräumt, gereinigt und auf Rost untersucht (und nur wenig gefunden).
Anschließend habe ich die Verkleidungen von den Wänden und der Decke abgenommen und die Befestigungen (Spreiznieten) durch Gewindebuchsen ausgetauscht. Insgesamt habe ich über 100 Nieten verpresst, sodass ich gegen Ende die Presszange mit einem Kupferrohr verlängern musste. Ansonsten hätte ich jetzt Arme wie Popeye und würde das nächste Weinglas schon beim Anfassen kaputtdrücken.
Der Innenraum
März / April 2026:
Um das „Transporterrappeln“ zu reduzieren, habe ich die Wände mit Alubutyl gedämmt. Dadurch werden die Schwingungen der Blechwände gedämpft. Das Fahrgeräusch war bereits deutlich leiser, obwohl der Transporter komplett leer und ohne Innenverkleidung war.
Danach kann ich mich der Wärmedämmung widmen, wobei mir bewusst ist, dass ich nur bedingt etwas erreichen kann. Ich möchte schließlich nur die „Fächer“ dämmen und nicht das ganze Auto verkleiden. Hinzu kommen die vielen Fenster, die auch nicht gerade zur Wärme- oder Kältedämmung beitragen. Ich habe den Dämmstoff von Vanue verwendet, weil er mir nach dem Anschauen diverser YouTube-Videos und der Lektüre anderer Internetquellen am besten gefallen hat. Armaflex wird wohl am häufigsten verwendet und erfüllt sicher auch seinen Zweck.
Nach der Dämmung habe ich die Wände und die Decke mit Filz verkleidet. Hierzu habe ich Filz verwendet, der mit einem Sprühkleber angebracht wird. Dadurch ist er besonders dehnbar, allerdings ist die Handhabung etwas knifflig. Wenn man ein Stück Filz eingesprüht hat und es kommt ein Windstoß, klebt der ganze Gulasch zusammen wie die Kacke am Schuh! Leider habe ich mit den großen Flächen angefangen, um genug Material für die kleinen Flächen übrig zu haben. Aber egal, es ist ein altes Auto, das auch ein paar Falten im Himmel vertragen kann.
Ein bisschen Elektrik
April 2026:
Die Elektrik für den Landanschluss habe ich komplett erneuert. Die vorhandene Außensteckdose war etwas „vermockert“. Innen war alles – Sicherungskasten und zwei Steckdosen – auf der Wand installiert, was mir nicht gefallen hat. Der neue Sicherungskasten und die Steckdosen mit USB-Anschluss sind nun "unterputz" in die Wand integriert, wodurch alles viel gefälliger aussieht.
Später habe ich noch eine USB-Steckdose neben dem Fahrersitz installiert. Diese Position ist zwar nicht optimal, aber minimalinvasiv, da ich so direkt an der Wohnraumbatterie bin. Das heißt, ich kann nun ohne große Verkabelung mehrere USB-Geräte laden.
Ich hätte zwar auch noch diverse LED-Strahler in den Himmel einbauen können, aber das hätte wieder neue Schalter und die Verlegung von Kabeln erfordert. Also habe ich mich für eine einfachere Lösung entschieden: magnetische LED-Strahler, die sich per USB aufladen lassen. Man muss sich nur merken, wo man sie zuletzt angebracht hat 😂. Merke: Licht braucht man meistens nur im Dunklen 🧐!
Das Bett
April 2026:
Als Nächstes muss ein Bett hinein. Nach langem Überlegen habe ich mich entschieden, dass das Bett nur für eine Person konzipiert sein soll. Das heißt, es wird kein Ausziehbett mehr geben, sondern eine feste Konstruktion mit einer 80 x 200 cm großen Matratze.
Ich habe versucht möglichst viele Standardmaße zu verwenden, sodass Matratze, Wäsche und Lattenrost für wenig Geld bei IKEA erhältlich sind.
Außerdem ist mir viel Stauraum wichtig. Auch wenn ich nicht viel brauche und keine wochenlangen Reisen mit dem Balu unternehmen möchte, ist Stauraum durch nichts zu ersetzen. Außer durch noch mehr Stauraum (wie beim Hubraum bei Motorrädern!).
Die gesamte Unterkonstruktion ist daher auf das Format der Euroboxen ausgelegt. So kann ich die Boxen zur Seite und nach hinten ausziehen, das Bett hochklappen und von oben herankommen.
Der Scheiß mit dem Scheiß
Mai 2026:
Waschen und Duschen kann man in die Länge ziehen (besonders, wenn man allein unterwegs ist), kacken aber eben nicht. Scheißt der Bär in den Wald? Sicherlich, aber ich nicht! Also muss ein Klo her, denn ich möchte nicht im Wald beim Kacken von einem Bären gefressen werden (was ich allen wünsche, die es trotzdem tun!).
Ich habe mich für die Kackbox von Komaland entschieden, auch
wenn sie vergleichsweise teuer ist. Sie ist wirklich solide verarbeitet, passt perfekt wegen dem Euroboxformat prima in mein Konzept und funktioniert tadellos.
Für alle, die es nicht kennen: Das Prinzip der Kackbox ist eine Trockentrenntoilette. Das heißt, Urin und Feststoffe gelangen in unterschiedliche Behälter, wodurch die Geruchsbildung maximal reduziert wird. Wir haben im VanTI schon lange (seit 2019) eine Trockentrenntoilette verbaut und sind absolut begeistert.
Dank des Eurobox-Formats passt die Kackbox auch prima unters Bett. Darunter kann man noch eine flache Eurobox platzieren, sodass man höher sitzt und dort Klopapier, Müllbeutel und Katzenstreu (zur Bindung von Restfeuchtigkeit in den Feststoffen) verstauen kann.
Waschbecken und Multifunktionsblock
Mai 2026:
Für die kleine Morgenwäsche und um das Wasser für den Kaffee zu zapfen, habe ich ebenfalls ein Produkt von Komaland verwendet. In der kleinen Eurobox sind eine Wasserpumpe, ein Frisch- und Abwasserkanister sowie ein Seifenspender enthalten. Das konnte ich ganz einfach in den Balu integrieren.
Der Frischwassertank und der Abwassertank haben jeweils ein Fassungsvermögen von 5 Litern. Der Wasserhahn wird mit Akkus betrieben und kann über USB aufgeladen werden.
Was nützt jedoch ein Wasserspender, wenn sich das Wasser für Kaffee oder Suppe nicht zum Kochen bringen lässt? Also musste eine kleine Küchenzeile her. Diese sollte logischerweise mindestens einen Gaskocher und ein Waschbecken enthalten und außerdem Stauraum bieten. Zudem musste das Möbelstück leicht entfernbar sein, damit Balu weiterhin als Transporter genutzt werden kann.
Am Ende kann man den Multifunktionsblock mit drei Schrauben von der Karosserie lösen und herausnehmen. Der untere Teil ist offen gestaltet, um Schuhe, einen Müllsack oder Getränkeflaschen zu verstauen. Mal sehen, ob sich das bewährt oder ob noch mehr Fächer benötigt werden.
Lackierarbeiten - Übergangs-Motorhaube
Mai 2026:
Da die Temperaturen jetzt langsam in einen Bereich kommen, in dem man lackieren kann, möchte ich mich der Außenhaut widmen. Der Lack ist besonders auf der Motorhaube in einem üblen Zustand. Eine Werkstatt verlangt über 600 € für eine neue Lackierung! Es muss alles abgeschliffen, gespachtelt, grundiert und lackiert werden, dann kommt noch Klarlack drauf. Der Preis ist sicher gerechtfertigt, aber so viel möchte ich für eine schicke Motorhaube nicht in das 24 Jahre alte Auto investieren (zumal auch das Dach und andere Stellen überarbeitet werden müssten).
Also habe ich mir eine gebrauchte Motorhaube gekauft, um einerseits zu üben und andererseits sie als Übergangslösung zu nutzen, bis ich die Originalmotorhaube fertig habe.
Diese werde ich erst einmal abschleifen, grundieren und matt schwarz lackieren, sodass ich sie „übergangsweise“ nutzen kann.
Nach zwei Tagen Abschleifen, zwei Schichten Grundierung und drei Schichten mattem schwarzen Lack ist die „interims Motorhaube“ fertig. Auf jeden Fall habe ich gelernt, dass ich bei der „finalen Motorhaube“ zwischendurch viel mehr schleifen muss.
Schwarz steht dem Balu eigentlich auch nicht schlecht!
Das Ziel ist jedenfalls erreicht: Ich habe etwas gelernt, habe einen nutzbaren Balu und kann mich nach dem Urlaub um die finale Motorhaube kümmern.
Komposter
Mai 2026:
Während die „Übergangs-Motorhaube“ lackiert wird, kann ich mich um die „Komposter“ kümmern. Dabei geht es um die vorderen Kotflügel. Über zwei große Löcher läuft hier Wasser und allerlei Unrat wie Blätter und Tannennadeln über die Windschutzscheibe herein und sammelt sich in den Kotflügeln. So entsteht ein ideales Biotop für Kleintiere, insbesondere für Rost (kleine, rothaarige, metallfressende Tierchen). Abhilfe schafft ein Umbauset, bei dem der Schmutz über eine fingerdicke Leitung direkt von der Windschutzscheibe am Radkasten vorbei in die Natur abgeleitet wird. Es gibt verschiedene Kits auf dem Markt und ich habe mich für das von SCC Busparts entschieden, weil die Buchse nicht aus einem „brüchigen“ 3D-Drucker-Material, sondern aus richtigem Metall gemacht ist!
Im Radkasten des Balu befand sich zwar jede Menge Nistmaterial, aber glücklicherweise noch kein Rost. Ich habe alles sauber gemacht und die „Modder“-Umleitung eingebaut. Nun sollte hier Ruhe sein.
Der Einbau ist relativ simpel, wenn man weiß, wie es geht. SCC Busparts hat eine hervorragende Bedienungsanleitung beigelegt, und am Ende ist es schließlich keine Raketenwissenschaft. Aber um die Kotflügel abzubauen, war ich (mal wieder) auf YouTube angewiesen. Besonders beim Ausbau der Blinker wäre ich ohne den Film nie auf die richtige Vorgehensweise gekommen. Da der Ausbau beim kurzen Vorbau etwas anders ist, war der Film echt hilfreich.
Die Story geht weiter...
Die Liste ist lang, ...
















































