
Italien
Schnupperurlaub
Was tut man, wenn das Wetter einen quasi in die Wohnung gesperrt hat? Richtig, man träumt von dem nächsten Urlaub.
Ute schaut sich zahlreiche YouTube-Filme von Reisenden an, die in Italien unterwegs sind, und irgendwie hat es ihr das Land angetan. Also haben wir einen Italien-Besuch für den Herbst geplant. Wenn so ein Keim aber einmal gesät ist, wächst damit auch die Ungeduld. Aus diesem Grund haben wir uns kurzfristig dazu entschlossen, einen Schnupperurlaub in Norditalien Richtung Toskana zu machen. Wir haben knapp zwei Wochen Zeit, also los geht's.
Übrigens gibt es eine tolle Website, auf der man sich über die aktuelle Verkehrssituation am Gotthardtunnel (inklusive Prognosen) informieren und seine Reise ohne Stau am Tunnel planen kann.
Die Anreise erfolgte über die Schweiz und durch den Gotthardtunnel. Hier ist immer mit einer längeren Wartezeit zu rechnen, da die Autos durch eine Ampelsteuerung nur in Blöcken durch den Tunnel gelassen werden. Nach einer Fahrt von gut 10 Stunden sind wir dann in Como angekommen. Der Stellplatz war schon rappelvoll, aber auf dem kostenlosen Parkplatz davor konnten wir gut übernachten.
Unsere erste Station in Italien ist der kleine Campingplatz „Aqua Dolce“ in Levanto. Wir hatten Glück und haben noch einen schönen Platz auf einer der Terrassen bekommen. Vom Campingplatz aus ist man schnell zu Fuß in Levanto und der kleine Strand ist nur 200 m entfernt (wobei es sich um den längsten und größten Sandstrand der Region handelt). Levanto ist ein guter Ausgangspunkt, um die Cinque Terre zu besuchen, weshalb die Stadt auch als das „Tor zu den Cinque Terre“ bezeichnet wird.
Levanto
Die Cinque Terre (Region Ligurien) bestehen aus den fünf Nachbargemeinden Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore. Sie sind nur zu Fuß über den Wanderweg „Sentiero Azzurro“, mit dem Boot (bis auf Corniglia) oder mit der Bahn erreichbar. Nach langem Tüfteln haben wir eine ideale Option für uns gefunden: Mit dem Boot fahren wir von Levanto nach Vernazza (12 € pro Person), dann gehen wir zu Fuß nach Monterosso und von dort aus fahren wir mit der Bahn (5 € pro Person) zurück nach Levanto.
Damit haben wir alle Möglichkeiten ausgeschöpft und den laut Google schönsten Ort der Cinque Terre, Vernazza, besucht.
Übrigens: Um den Wanderweg zu nutzen, muss man eine „Cinque Terre Trekking Card“ kaufen. Diese kostet 10 € pro Person und Tag. Erhältlich ist sie an den Bahnhöfen oder direkt am Eingang des Wanderwegs.
Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass unsere Strecke in der Hauptsaison nur von Monterosso nach Vernazza erwandert werden kann. Der Weg ist an vielen Stellen nur einen halben Meter (oder weniger) breit. Bei ständigem Gegenverkehr wäre es sonst recht gefährlich. Er ist sogar so gefährlich, dass der Weg unter Strafandrohung nicht mit Flip-Flops betreten werden darf 🤣 (letztes Bild)! Wir waren um Ostern dort und mussten oft stehen bleiben, um den Gegenverkehr passieren zu lassen.
Cinque Terre
Auf dem Weg zu unserer nächsten Station haben wir uns die Altstadt von Lucca angesehen. Lucca ist die Geburtsstadt von Puccini, dessen Geburtshaus heute ein Museum ist. Auch wenn Lucca einen schönen Dom, diverse Kirchen (insgesamt 99 Stück!) und eine imposante Stadtmauer hat, haben wir uns bei dem schönen Wetter lieber durch die Stadt treiben lassen und eine leckere Mittagspause eingelegt.
Lucca
Über Ostern wollten wir die großen Städte meiden und haben uns deshalb im Poderi Val Verde eingenistet. Genauer gesagt haben wir unser Wohnmobil vor dem Anwesen abgestellt – leider an einer recht befahrenen Straße.
Poderi Val Verde war im 15. Jahrhundert ein kleiner Weiler, von dem heute einige Häuser zu Ferienwohnungen ausgebaut wurden. Das private Anwesen verfügt neben einer kleinen Landwirtschaft auch über einen Swimmingpool und (zur Freude von Pete) drei große 3D-Bogenparcours. Alle Parcours sind schön angelegt und toll in die toskanische Landschaft eingebettet.
Poderi Val Verde
San Gimignano ist eine kleine Stadt in der Toskana, die oft als das „Manhattan des Mittelalters“ bezeichnet wird. 13 gut erhaltene Türme prägen das heutige Stadtbild. Früher gab es jedoch 65 Geschlechtertürme, die von reichen Adelsfamilien als Macht- und Statussymbol errichtet wurden. Je höher und prunkvoller ein Turm war, desto mächtiger und einflussreicher war die entsprechende Familie. Die engen Gassen, die Stadtmauer und die Plätze haben sich seit dem Mittelalter kaum verändert. Während die Hauptgassen sehr belebt sind, kann man die Stadt auch gut durch die kleinen, parallel verlaufenden Gässchen erkunden.
Kulinarisches: Hier gibt es den „Vernaccia di San Gimignano“, einen der berühmtesten Weißweine Italiens, der bereits im Mittelalter von Päpsten und Dichtern geschätzt wurde. Ich habe mir trotzdem lieber einen leckeren Rotwein aus der Region gekauft.
Außerdem gibt es in San Gimignano die weltberühmte „Gelateria Dondoli“ auf der Piazza della Cisterna. Sie wurde mehrfach für das beste Eis der Welt ausgezeichnet. Das erklärt auch die lange Schlange vor der Eisdiele, die an Ostern sicher zu erwarten war.
San Gimignano
Nach den ruhigen Tagen in Poderi Val Verde haben wir es uns noch einmal so richtig gegeben. Wir haben den schiefen Turm von Pisa besichtigt (von außen)!
Wir haben unseren VanTI auf einem Wohnmobilstellplatz geparkt und sind in ca. 30 Minuten ins Stadtzentrum zum schiefen Turm von Pisa gelaufen. Interessanterweise sieht der Turm in Wirklichkeit viel schiefer aus als auf Bildern.
Pisa ist eine Universitätsstadt, was die vielen jungen Leute rund um die Sehenswürdigkeiten erklärt. Einer der berühmtesten Studierenden der Stadt war übrigens Galileo Galilei.
Pisa bedeutet übrigens „sumpfiges Land” und der Turm wurde auf weichem Lehmboden mit flachen Fundamenten gebaut. Genau diese schlechte Planung war der Grund dafür, dass das Gebäude bereits nach der Fertigstellung des zweiten Stockwerks zu kippen begann. Allerdings hat sich der Turm nicht immer in die gleiche Richtung geneigt. Nachdem er sich im dritten Stockwerk nach Norden geneigt hatte, wurde er in den späteren Stockwerken wieder nach Süden in seine jetzige Position gebracht.
1934 kam dann Mussolini, der sich für die Neigung schämte, und befahl Löcher in den Sockel zu bohren und Beton einzuspritzen, um ihn zu begradigen. Ironischerweise hat diese Maßnahme die Neigung jedoch nur noch verstärkt und das Problem somit verschlimmert.
Und nein, wir haben kein Foto gemacht, auf dem wir den Turm stützen, wie es praktisch jeder Tourist zu machen scheint.
Pisa
Die Rückfahrt erfolgte über den gleichen kleinen Stellplatz in Como wie die Hinfahrt. Da wir keine Lust hatten, vor dem Gotthardtunnel wieder im Stau zu stehen, sind wir sehr früh aufgestanden und losgefahren. Kurz vor dem Tunnel wurden wir von den Carabinieri herausgewunken. Ohne mit uns zu reden, haben sie unser Wohnmobil gewogen und die Papiere überprüft. Das Ganze hat eine gute halbe Stunde gedauert und als Ergebnis haben wir ein Protokoll komplett auf Italienisch bekommen. Nicht einmal das Gewicht unseres Womos stand darauf, was uns schon interessiert hätte.
Trotz dieses ungeplanten Zwischenstopps konnten wir den Gotthardtunnel ohne Stau passieren und sind gut wieder zu Hause angekommen.
Auch wenn dieser Ausflug nur recht kurz war, haben wir Lust auf mehr bekommen und werden sicherlich im Herbst noch einmal nach Italien reisen.













































