
Pfälzer Wald
Unsere Stationen
Da wir unsere große Reise von 2024 immer noch verdauen, wollen wir es dieses Jahr ruhiger angehen lassen. Jordanien im April war ein Versuch, etwas organisierter zu reisen. Das war zwar sehr interessant und wir haben unser Ziel, Petra zu sehen, erreicht, aber irgendwie war das immer noch zu viel. Deshalb haben wir das Jahr etwas umgeplant. Wie man so schön sagt: Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, mach einen Plan 😄.
Hast du einen Lieblingsort? Einen Ort, der dich immer wieder magisch anzieht und an dem du dich einfach nur wohlfühlst?
Für uns ist das der Pfälzerwald, genauer gesagt das Dahner Felsenland mit der Dahner Hütte des Pfälzerwald Vereins. Dorthin fahren wir schon seit Jahren mindestens einmal im Jahr und verbringen mindestens ein verlängertes Wochenende auf dem Campingplatz am Neudahner Weiher.
Lasst euch gesagt sein, dass der Weiher mit seinem natürlichen Zu- und Ablauf im Oktober schon mächtig kalt beim Schwimmen ist (deswegen geht der Pete da auch nicht rein 🥶).

Ende Mai waren wir mit Freunden mal wieder dort und „mussten“ natürlich auch zur Dahner Hütte, um das deftige pfälzische Essen der Hütte zu genießen. Da spricht mich die Freundin über den Aushang an der Kasse an, in dem steht, dass die Hütte Mitarbeitende in der Küche sucht.
Wie oft habe ich (Ute) früher sehnsüchtig in die Küche geschaut und gedacht, wie gerne ich an diesem wundervollen Ort mal arbeiten würde! Aber wie sollte das denn gehen, wenn man berufstätig ist und einige hundert Kilometer entfernt wohnt?
Für manche Leser:innen ist die Hütte vielleicht nur ein Gastronomiebetrieb unter vielen hier in der Gegend. Für mich ist sie jedoch ein Lieblingsort. Ich habe großen Respekt vor dem, was die Leute hier leisten, und freue mich sehr über dieses Angebot.
Pfälzerwald-Vereinshütte Dahn
Diese Hütte ist übrigens ein sehr beliebter Knotenpunkt zu und von vielen Wanderungen in der Umgebung.
Zurück zu Hause habe ich einige Tage überlegt, mit Pete gesprochen und mich schließlich beworben. Und siehe da, schon habe ich einen Ferienjob während der rheinland-pfälzischen Schulferien 2025 und arbeite in der Küche der Dahner Hütte!

Da ich nur an drei Tagen in der Woche arbeite, bleibt uns noch genug Zeit zum Wandern, Radfahren, Burgen besichtigen, Ruinen erkunden und natürlich die tollen Felsformationen in der Gegend zu besuchen. Beschreibungen dazu folgen weiter unten.
Nach meinen ersten Wochen in der Küche kann ich nur sagen: Abends tun mir alle Knochen weh, meine Füße sind platt und wollen nicht mehr laufen aber ich freue mich!
Was für ein schöner Arbeitsplatz! Mitten im Wald mit netten Kolleg:innen und der Aufgabe, die Gäste glücklich zu machen.
Übrigens ist die Wanderhüttenkultur des Pfälzerwald-Vereins (PWV) mit seinen über 20.000 Mitgliedern europaweit einzigartig. Knapp 100 Wanderheime und Hütten laden zur Rast ein, von denen viele ehrenamtlich bewirtschaftet werden. Für dieses Engagement wurde der Verein 2021 von der UNESCO als „Immaterielles Kulturerbe“ ausgezeichnet.
Während dieser Zeit stehen wir mit unserem VanTI am Neudahner Weiher und leben das reduzierte Camperleben. Wenn es zu heiß wird, ist der Weg ins kühlende Wasser nicht weit.
Das ist eine andere Form des „Weg vom Alltag“ und ganz anders, als wir ursprünglich geplant hatten.
Und was macht Pete, wenn Ute arbeitet? Ganz einfach: Er bringt das Geld, das Ute in der Hütte verdient, wieder in die Hütte und investiert es in Pfälzer Spezialitäten, Kuchen und Weinschorle ;-). So trägt er auch seinen Teil zum Kreislauf bei.
Ansonsten kann er seinem Lieblingshobby frönen: dem Bogenschießen. Das heißt, er hat genug Zeit, um Bogenparcours in Rheinland-Pfalz oder dem Saarland zu testen oder sich mit den lieben Freunden von der „Aartal Poachers Turnier Gäng“ auf Turnieren zu behaupten.
Also wer hier nicht satt wird, hat etwas falsch gemacht. Die Portionen sind großzügig und deftig.
Ganz oben auf der pfälzischen Speisenkarte steht natürlich der „Pfälzer Saumagen“ – Helmut Kohls Leibgericht. Ist viel leckerer, als der Name verspricht!
Der klassische Pfälzer Saumagen besteht aus Schweinefleisch, Schweinebrät und Kartoffeln. Im Vergleich zu Haggis aus Schottland, das Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl enthält, ist das also eine ganz anständige Sache. Alle Zutaten werden kleingeschnitten, gewürfelt und mit Gewürzen wie Salz, Pfeffer, Piment, Thymian, Lorbeer, Majoran und manchmal auch Muskatnuss verfeinert. Er wird entweder in Scheiben (Durchmesser einer CD) in Butter gebraten oder in Form einer Fleischwurst vorgekocht und dann gebraten.
Kombiniert wird der Saumagen dann z.B. mit Sauerkraut, Leberknödel und/oder Bratwurst. So entstehen dann Gerichte, wie „der schiefe Sack“ oder „die XL-Kombination“.
Kulinarisches aus der Hütte
Wem das zu heftig ist, kann den Saumagen auch in kleinen Gläsern bestellen 😜!
Natürlich gibt es auch Wurstsalat, selbtgekochte Linsen- oder Erbsensuppe mit und ohne Würstchen und die klassischen Pellkartoffeln mit „weisse Käs“ (gewürzter Quark). Für leckeren Kuchen und sehr guten Kaffee ist ebenfalls gesorgt.
Außerdem: nach Meinung von Jan gibt es Freitags die besten Lachsbrötchen 😆!
Auf der uneinnehmbaren Felsenburg Berwartstein wohnte Hans Trapp, der gefürchtetste Raubritter, Marshall und Heerführer der gesamten kurpfälzischen Streitkräfte. Das schien ihn nicht auszufüllen, daher beschäftigte er sich hauptsächlich als Raubritter und überfiel die umliegenden französischen Dörfer sowie alle Händler, die an der Burg vorbeizogen. Auch das wurde ihm irgendwann langweilig, also stellte er den Weißenburgern kurzerhand mit einem Damm das Wasser ab. Irgendwann traute sich einer der Weißenburger zu fragen, ob sie wieder Wasser bekommen könnten. Hans Trapp antwortete nur: „Selbstverständlich“, ließ den Damm einreißen und spülte damit fast das ganze Dorf weg.
Die Burg war unter anderem deshalb uneinnehmbar, weil der Eingang (erstes Bild) nur durch eine senkrechte Kletterpartie durch eine Sandsteinröhre (zweites Bild) möglich war. Diese war so eng, dass sie leicht von einem Mann verteidigt werden konnte. Die Frauen mussten natürlich nicht selbst hochklettern, sondern wurden in einem Korb komfortabel an der Außenmauer hinaufgezogen. Ehen waren damals arrangiert und wahre Liebe eher selten. So kam es schon mal vor, dass das Seil riss, an dem der Korb mit der Frau hing. Da dies relativ häufig vorkam, wurde hierfür der Begriff „pfälzische Scheidung“ geprägt.
Frauen hatten allerdings auch Ihre Techniken eine "pfälzer Scheidung" herbeizuführen. So wurde z.B. Tee aus Maiglöckchen für den Ehemann gekocht.
Wer die Burg besucht, sollte auf jeden Fall an einer Führung teilnehmen. Sie ist sehr interessant und kurzweilig.
Burg Berwartstein
Auf dem Weg nach Dahn fahren wir auf der B10 an Annweiler und dem Trifelsland vorbei. Endlich hatten wir einmal die Gelegenheit, uns das Bauwerk näher anzusehen.
Zwischen 1088 und 1330 war die Reichsburg Trifels unter den Staufern und Saliern eines der wichtigsten Zentren der Macht. Hier wurden immer wieder die Reichskleinodien wie Krone, Zepter und Reichsapfel aufbewahrt. Heute kann man originalgetreue Nachbildungen in der Schatzkammer bestaunen. Die Originale befinden sich aktuell in der Kaiserlichen Schatzkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien .
Außerdem diente die Burg als Gefängnis für wichtige Persönlichkeiten. Der berühmteste unter ihnen war der englische König Richard Löwenherz.
Die Burg selbst ist das Ergebnis von fast 1000 Jahren wechselnder Phasen von Ausbau, Verfall und Wiederaufbau. Das heißt, so wie sie jetzt dasteht, hat sie kaum noch etwas mit dem mittelalterlichen Originalbauwerk zu tun. Insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus ging es weniger um eine möglichst realistische Rekonstruktion als um die Glorifizierung der deutschen Geschichte und die eigene Legitimierung. Daher wirken die Gebäude wahrscheinlich alle recht quadratisch und klotzig.
Trotzdem ist sie sehr imposant und sehenswert. Der Kaisersaal wird heute für öffentliche Veranstaltungen genutzt. Ute konnte hier ein Konzert mit Harfe und Querflöte genießen.
Burg Trifels bei Annweiler
Die Altdahner Burg ist vom Neudahner Weiher aus mit dem Fahrrad leicht zu erreichen – auch wenn man sich ein wenig verfährt 😁. Die ältesten Teile der größten Burganlage der Pfalz stammen aus dem 11. Jahrhundert. Die auf freistehenden, steilen Felsen erbaute Dreierburg ist eine typische Wasgauburg mit in den Fels gehauenen Kammern, Treppen und Gängen.
Altdahner Burg
Culmanns Traumgarten in Billigheim-Ingenheim macht seinem Namen alle Ehre. Man kann sich gar nicht sattsehen an all den Mosaiken, Skulpturen, Brunnen und Materialien, die Herr Cullmann hier verbaut hat. Seit 1983 arbeitet er an diesem Garten und ließ sich unter anderem von den „Architektur-Poeten“ Antoni Gaudí, Friedensreich Hundertwasser und Niki de Saint Phalle inspirieren. Als Materialien verwendet er Steine, Fliesen, Mosaike, Teller, Tassen, Glasstücke, Muscheln und Alltagsgegenstände, die er gefunden, auf Trödelmärkten erworben oder von Unterstützern erhalten hat.
Wir hatten das Glück, den Garten besuchen zu können, da er nur im Juli und August am Sonntagnachmittag (oder nach Vereinbarung) geöffnet ist.
Culmanns Traumgarten
„Ein Sommertag, wie hingemalt,
die Sonne lacht, es grünt der Wald.
An vielen Hecken tief im Tann
Kündigt sich gute Ernte an.
Die junge Frau sammelt Früchte ein,
für sich und die Familie daheim.
Im Eifer erkennt sie sehr spät,
einen Mann, der dort am Waldrand steht.
Der junge Ritter ist’s, auf der Jagd nach einem Hirsch;
Doch jetzt erkennt er eine andere Pirsch.
Er nähert sich dem jungen Weib.
„Halt, bleib hier, so zum Zeitvertreib!“
Die Jungfrau flieht furchtsam den Berg hinan,
hinter ihr, keuchend, der Rittersmann.
Doch plötzlich erkennt sie die große Gefahr:
Ein Abgrund – kein Ausweg – wo lief sie da?
Hoch über dem Ort, ein Fels so steil.
Keine Hilfe „Oh Hergott, steh du mir bei“.
Sie fasst sich ein Herz und springt hinab –
Ihr Kleid bauscht sich auf und sacht schwebt sie ab.
Tief unten im Tal, ganz zart setzt sie auf,
ein Dankgebet steigt zum Himmel auf.
Dort wo ihr Fuß den Boden berührt,
ein Quell reinen Wassers die Erde gebiert.“
Jungfernsprung
Der Jungfernsprung ist ein markanter Felsen in Dahn, den man von unserem Campingplatz am Neudahnweiher aus leicht erwandern kann. Um den Felsen rankt sich folgende Geschichte:
Die Quelle am Fuße des Jungfernsprungs habe ich nicht gefunden. Direkt gegenüber gibt es aber eine Eisdiele mit leckerem, selbst gemachtem Eis. Lecker!
Hier (und wahrscheinlich nur hier) gibt es auch den sagenumwobenen und legendären „Rieslingbecher“!
Das kommt davon, wenn man glaubt, den Weg zu kennen und einfach losfährt. So wurde die Fahrt zum Drachenfelsen eher eine Fahrrad(tor)tour. Nicht nur, dass ich mich komplett verfahren habe, sondern auch, dass das letzte Stück so steil durch den Wald ging, dass ich schieben musste. Bergab war das gerade so noch fahrbar, aber dabei ging mir ganz schön die Klammer!
Aber was macht man nicht alles, wenn man weiß, dass am Fuße der Burgruine eine Hütte des Pfälzerwald-Vereins auf einen wartet. Leider hatte diese gerade geschlossen, dementsprechend war die Enttäuschung groß. 😭
Von der Burgruine aus hat man einen tollen Weitblick über den Pfälzerwald. Sie hat viele Treppen und Gänge und es ist immer wieder beeindruckend, wie man damals eine solche Burg in den Sandstein gemeißelt hat.
Natürlich gibt es auch um diese Burg eine Legende:
Drachenfels (Burg Drachenfels)
„Der gespenstische Waldmann vom Drachenfels:
Es lebte einmal ein Graf mit seiner hübschen Tochter Adelheid in der Burg Drachenfels. Ein höfischer Schreiber verliebte sich in die Tochter und schrieb ihr heimlich Briefe. Der Graf bemerkte jedoch schnell den Verehrer und verbannte diesen von Burg und Land.
Der hartnäckige Verehrer ließ sich davon aber nicht beeindrucken und streifte nachts heimlich voller Schmerz um die Burg. Eines Tages schrieb er Adelheid einen Brief, sie solle nachts in den Wald gehen. Unter einem Kastanienbaum sei ein Hochzeitsbett aufgestellt. Getrennt zu leben sei sinnlos, der gemeinsame Tod würde die Erlösung bringen.
Tatsächlich ging Adelheid eines Nachts zu besagtem Kastanienbaum. Niemand weiß warum sie so handelte. Sobald sie dort war, erdolchte sie ihr Verehrer. Bevor er sich selbst erdolchte, überkamen ihm große Zweifel und er floh feige in den Wald.
Der Graf trauerte sehr um seine Tochter und starb wenige Tage nach ihrem Tod selbst. Adelheids Verehrer geistert noch heute im Wald herum und taucht bei Sturm an der Kastanie auf. Verderben bringt sein ferner Gruß, da jeder den er anhaucht, sterben muss!“
Der Altschlossfelsen gilt als die schönste Felsformation im Dahner Felsenland – und dem können wir uns nur anschließen. Entsprechend gut besucht ist er. Viele der Wanderer, denen wir begegnen, sprechen Französisch – und nein, das ist kein extremer Pfälzer Dialekt! – Da wird einem wieder bewusst, wie dicht man sich hier an der französischen Grenze bewegt.
Mit einer Länge von etwa 1,5 Kilometern und einer Höhe von bis zu 30 Metern ist die Felsformation des Altschlossfelsens die größte in der Pfalz! Besonders fasziniert haben uns die teils leuchtend orangeroten Farben der Felsen. Sonnenauf- oder -untergänge müssen hier ein beeindruckendes Farbenspiel ergeben. Zwischen den Felsen hindurchblickend erinnert die Szenerie ein wenig an Petra in Jordanien.
Altschlossfelsen
Was wir hier dargestellt haben, ist natürlich nur ein winziger Teil der Pfalz bzw. des Pfälzerwalds. Wir haben uns hauptsächlich im Raum um Dahn bewegt, der zur Südpfalz gehört. Die Burg Berwartstein, der Altschlossfelsen und die Burg Drachenfels gehören dagegen schon zur Westpfalz. In der Nordpfalz gibt es die schönen Weindörfer an der Deutschen Weinstraße, zum Beispiel St. Martin und Deidesheim mit ihren Winzergenossenschaften und den vielen Einkehrmöglichkeiten. Zur Südpfalz gehören die Reichsburg Trifels, das Schloss Villa Ludwigshöhe und die Burg Landeck. In der Vorderpfalz, in der Rheinebene, findet man die Weindörfer Deidesheim und Bad Dürkheim sowie das Hambacher Schloss, eine lebendige Stätte deutscher und europäischer Demokratiegeschichte. Da die Grenzen fließend sind, sind hier alle Angaben ohne Gewähr 😄.
Die Pfalz bietet somit eine Vielzahl an Freizeitmöglichkeiten. Egal, ob ihr auf Burgen und Schlösser steht, euch beim Wandern oder Biken im Wald austoben wollt oder einfach nur die Gastfreundschaft, den Wein und die Natur der Pfalz genießen wollt – hier wird jeder etwas finden und es wird nie langweilig. Schaut euch die Pfalz einfach mal selbst an!




























































































